Wie bereits angekündigt, war heute Oper angesagt – zumindest sind wir dorthin gegangen. Tatsächlich gab es ein Musical: Weiß gegen Latino, Capulet gegen Montague, Romeo gegen Julia (ach nein, das ist wohl nicht ganz richtig), aber Jets gegen Sharks. Tja, jetzt weiß wohl jeder worum es geht.
Die Aufführung war eigentlich ganz schön (bisschen derb zwar, aber für heutzutage ok
), gutes Orchester, tolle Tanzeinlagen und gute Schauspieler in den Sprechrollen. Und die Sänger? Da waren sie wieder, die Gegensätze. Dieses Mal Sänger gegen Noten.
Was mir sFrauli vorher allerdings nicht verraten hatte, dass es sich offensichtlich um eine Schülerveranstaltung handelt. So tummelten sich die Teenager – hauptsächlich weiblicher Provenance – in den Gängen des Opernhauses. Und abermals taten sich Gegensätze auf: Oberweiten gegen mehr oder weniger tiefe Ausschnitte – aber zumindest Nabel hat man keinen gesehen – und dann natürlich Duftintensitäten gegen meine Nase. Die Mädchen müssen wohl an einem solchen Abend die gewagtesten Fetzen und die aufdringlichsten Nebelschwaden probieren.
Waren dann die teilweise erbärmlichen Leistungen der Sänger noch nicht genug, so musste der Zuhörer hinter mir mit seinen Füßen den Unterschied zwischen dem eigentlichen Takt des Stückes und seiner eigenen Taktlosigkeit gnadenlos aufzeigen.
Die Krone war dann aber wohl das allgemeine Gelächter im Publikum, als gegen Ende der tödliche Schuss auf Tony abgefeuert wurde. So habe ich das noch nie gesehen.

Endlich konnte ich meinen Verstärker wieder abholen – war ja wirklich schon Zeit. Und nicht nur ich wollte endlich wieder mal so richtig ausgiebig Musik hören.
Was war heute bloß los? Zuerst sitze ich in aller Frühe in einer leeren Straßenbahn. War ich nicht gewaschen und hatte eine entsprechende Ausdünstung oder ist mein Aussehen mittlerweile so, dass sich keiner mehr in meine Nähe wagt. Ganz glauben kann ich das nicht, hat sich doch zu Mittag ein Kollege meiner erbarmt – oder war es gerade deswegen – um mit mir Mittagessen zu gehen.




