Kleine Soirée

Zu einer solchen bin ich vor kurzem eingeladen worden. Ich sollte einen Liebesbrief in Musik hüllen. Lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen, obwohl einmal damit angefangen …

Das Privatkonzert fand dann in sehr sehr kleinem Kreis statt – meine Möglichkeiten waren dabei auch eher beschränkt: ein Paar lausige Lautsprecher, ein mickriges Headset, keine genaue Idee, wie ich das denn machen sollte  und sehr sehr wenig Zeit, um mich vorzubereiten und dann natürlich auch um das umzusetzen. Der dickste Punkt war aber eine Distanz von mehreren hundert Kilometern – wie sollte ich das bloß schaffen.

Bin ich also in mich gegangen, aber es wollte und wollte nicht so recht klappen. Da ist mir die Dame plötzlich entgegengekommen, nicht geografisch, aber irgendwie dann doch. Hat sie doch glatt zusätzliche Infrastruktur eingerichtet (so etwas, wie einen virtuellen Balkon der Julia), damit ich zumindest die theoretische Chance zum Fensterln für meine Darbietung hätte.

Der Ball war also wieder bei mir und das Stück war auszuwählen. Stunde um Stunde grübelte ich, da entstand plötzlich die Idee eine Art Ständchen zu singen. Von diesen gibt es natürlich einige (Liszt, Mozart, Schubert und weitere). Wikipedia sagt zu Ständchen:

Ein Ständchen ist ein kleines Lied oder Musikstück, mit dem der Vortragende oder die Vortragenden meist einem einzelnen Zuhörer aus besonderem Anlass – oft überraschend – eine Freude bereiten wollen. Typisch ist dabei, dass die Vortragenden zum Zuhörer kommen und nicht umgekehrt. Weil an einem derart improvisierten Vortragsort keine Sitzgelegenheiten vorhanden sind, wird ein Ständchen zumeist im Stehen vorgetragen, woher sich der Name ableitet.

In der mittelalterlichen Tradition des Minnesangs wurden Ständchen vor allem zur Werbung eingesetzt, der Sänger begleitete sich dabei selbst auf der Harfe oder Leier. Diese Tradition wurde lange fortgesetzt: Das Ständchen vor dem Balkon der Geliebten ist ein beliebtes Klischee der europäischen Kultur, die sich sowohl im Kunstlied (Franz Schubert: „Ständchen“) als auch in populären Schlagern niederschlägt.

Abgesehen von der Liebe gibt es noch viele andere Einsatzgebiete für vorbereitete Ständchen, zum Beispiel Geburtstags-, Hochzeits- oder Muttertagsständchen. Oft werden Ständchen aber auch einfach spontan dargeboten, wenn sich eine Gelegenheit ergibt.

Nun, wenn ich das oben so lese, bin ich gar nicht so weit weg davon gewesen. Nur im Stehen vorgetragen habe ich es nicht und auch die mittelalterliche Tradition können wir da streichen … ob das Ständchen angekommen ist, wird sich wohl erst herausstellen. Wir werden das jedenfalls diskret behandeln – sie und ich. :mrgreen:

Dieser Beitrag wurde unter Überraschung, Freude, Gesang, Mozart veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Kleine Soirée

  1. lamiacucina schreibt:

    eine infrastruktursichere, technisch beschlagene Julia in Deinem Leserinnenkreis ? Da hats mindestens eine.

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