Die Frit ist um

Seit Tagen sinniere ich in der Früh darüber, was wohl der Unterschied zwischen den anderen Insassen im Bus und mir ist: haben die am Wochenende ein paar Opernarien gesungen? Sind sie dafür ca. 1.400 km mit dem Auto gefahren? Haben sie gar danach noch schnell bei einem Konzert mitgewirkt, bevor sie sich ein sehr verdientes Flascherl Wein gegönnt haben?

Keine Ahnung, aber schnell mal zum Anfang.

Aufbruch war also am Freitag und die Strecke nicht ganz kurz. Wenn man dann noch statt um 15 Uhr fast eineinhalb Stunden später abdampft, hebt das die Stimmung nicht enorm.

Viele Stunden später (so ca. 23 Uhr) im Hotel angekommen, habe ich mich gleich an die wichtigsten Sachen gemacht, an den Schlüssel, den Beutel … sFrauli war einigermaßen erstaunt, was ich so üblicherweise auf meinen Reisen erledigen muss.

 

Dann wollte ich noch schnell duschen und wen sehe ich da? das Wiesel – alte Ratte. Na sowas… soll mir recht sein, habe ich eben noch etwas gewartet, bis es fertig war – um die Zeit auch schon egal.

In der Früh war dann mehr oder weniger reichliches Frühstück angesagt und dann habe ich auch schon die Dame, die alles zusammenhielt getroffen. Sie hat mir kurz erklärt, wie alles abläuft und dass alles etwas verschoben ist … ich also erst um 11.20 dran sein werde mit der Einstiegsrunde.

Wieder mehr Zeit – daher auch Zeit für die Girls Briefmarke und Postkarte zu kaufen. Zu Ersterem wurden wir gleich im Hotel fündig und zu Zweitem grinste uns die Dame im Hotel nur mitleidig an. Ich bin erst Stunden später darauf gekommen, dass es in der Stadt genau 2 Postkarten gibt (wohlgemerkt nicht 2 Arten, sondern 2 Stück) … die Marke ist mir daher geblieben.

Wir waren dann also dort am Ort des Geschehens ca. um 10.45 – also genug Zeit noch ein paar andere Kontrahenten anzuhören. Wir kommen also an, da höre ich auch schon meinen Namen – olala, das geht ja rasant dahin. Also rein, auf die Bühne … der Pianist sieht mich fragend an und möchte wissen, wo die Noten sind. Wozu ich eigentlich vor einigen Tagen die PDFs der Noten geschickt habe? Also rein in den ersten Durchgang und der Verdi lief gleich wie geschmiert… Audio oder Video wird vielleicht nachgereicht, mal sehen, ob ich da was auftreiben kann.

Und so schnell, wie sie begonnen hatte, war sie auch schon wieder vorbei, die Vorrunde. Sehr zustimmende Reaktionen waren zu sehen und die Organisationsdame erklärte mir auch schon, wie der restliche Tag bzw. die Semifinali verlaufen: ein Stück selber wählen, ein Stück die Jury. Somit konnte ich den gesamten Tag grübeln, bei welcher Wahl der Jury ich welches Stück wähle und wie die Reihenfolge sein soll … ein Trugschluss, wie sich später herausstellen sollte. Zum besseren Grübeln marschierten wir etwas durch die Stadt.

Einiges gab es zu sehen – auch verblichene Kirchen … was das wohl bedeutet?

Dann ging’s noch schnell zum Essen – Gutscheine hatten wir von zu Mittag und etwas Retourgeld 😆

Als ich dann am Abend zurück kam – 22 Uhr 20 sollte ich dran sein – hieß es dann nämlich plötzlich, dass jeder nur ein Stück singt, das die Jury auswählt. Na sehr fein – war die große Anzahl der Koreaner und die sehr fortgeschrittene Zeit daran Schuld. Schließlich war ich dann doch dran und das gewählte Stück (der Escamillo) wollte ich eigentlich gar nicht singen. Nicht weil ich es nicht mag oder nicht kann, aber aber ich war auf Zar Boris eingestellt, der ich einfach sein wollte. So gab es also großen Angeber statt depressivem alten Grantler. Dass es nicht besonders lief, habe ich dann gleich gemerkt…

Vor mir habe ich noch einen Ami gehört mit „Die Frit ist um“ … schöne kräftige Baritonstimme (oh, es gibt also andere auch noch), da kann ich einpacken.

Am nächsten Tag in der Früh fiel – nachdem ich dem Wiesel den Innenhof unseres Hotels gezeigt hatte – dann gleich die Organisationsdame über mich her und erklärte, dass es leider nicht genug Finalplätze gegeben hat und weil meine Arien doch soooo sehr schön waren, ich daher einen Sonderpreis der Jury bekomme – Einladung für nächstes Jahr.

Dann durfte ich noch wahrnehmen, wie der Heldenbariton als Empfehlung erhielt, Heldentenor zu werden. Sehr wütend und ungehalten ist er abgezogen. Ich habe dann noch ein längeres Gespräch mit der Organisationsdame gehabt, sehr interessant, sehr nett. Vielleicht fahren wir ja nächstes Jahr wieder hin und vielleicht auch im Sommer 1-2 Wochen in die Gegend rund um Rom – zu einem Kurs. Immerhin konnte ich dann noch ihren Vogel kennenlernen, ein schönes Vieh mit dem klingenden Namen Rufo – sFrauli hat auch gegrinst.

Und was hat das Wiesel in der Zwischenzeit gemacht? Das Wiesel hat wohl meine Krawatten gefressen – da steht dann vermutlich eine Notoperation an.

Dann hat es sich noch durch die Straßen und Plätze geschlichen… und so kam es dann auch zum Wiesel-Suchbild. Sowas muss ja sein, oder? zumindest früher war das so, wie ich gelesen habe – nun ich habe es nicht allzu schwer gemacht. Der gute Mann am Podest war fürher übrigens auch Schwertschlucker, scheint’s 😀

 

Und weil die Gegend etwas schmutzig war, nahm das Wiesel auch gleich wieder ein Bad – sehr sauber das Vieh muss ich sagen.

Nach stundenlanger Heimfahrt haben wir uns dann noch schnell in ein Konzert in die Kirche geschmissen – sFrauli (frierend und) hörend und ich singend.

Nach den vielen Kilometern und den vielen Gesängen haben wir uns schließlich auch ein gutes Flascherl Wein verdient und auch gegönnt.

Dieser Beitrag wurde unter Gesang, Reise, Wettbewerb, Wiesel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten zu Die Frit ist um

  1. lamiacucina schreibt:

    Mir ist nicht klar, ob es an diesem Wettbewerb um die Förderung der Kunst oder die Förderung der Einnahmen der Veranstalter ging.

  2. Luiza schreibt:

    …ich hoffe, das Wiesel ist nicht ausgestopft???

  3. Frau Maja schreibt:

    Rufus warst Du wieder auf Konzertreise in Italien.
    war das ein Wettbewerb ?
    sowas wie in Deutschland DSDS ??? 😆
    war spass.
    aber was anderes, jetzt hab ich ja festgestellt, ich hab heute morgen dieses Design gefunden, und sehe jetzt, dass du dasgleiche hast.
    ich glaub ich nehm dann wieder meins von vorher
    oder was ähnliches. grüsse aus Germany

  4. Silencer schreibt:

    Also, entweder die haben in Italien sehr kleine Brunnen – oder das Wiesel war Gammastrahlung ausgesetzt und ist jetzt 10 Mal größer als vorher.
    *Ickwundermir*

    Aber, coole Sache: Auf Konzertreise war es noch nie!

  5. Pingback: Wiesels große Konzertreise: Unterwegs mit dem Heldenbariton « Non-Stop Action

  6. Pingback: Die Hydra « rufus still thinks about his title…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s