Der richtige Ton

Dieser Tage gab es Post für mich – ja so richtige. Nicht Werbung, nicht Rechnungen oder der sonstige Krimskrams, mit dem man geflutet wird. Ein richtiger handgeschriebener Brief einer Dame also, die mir ein Geschenk geschickt hat … genauer gesagt ein Geburtstagsgeschenk. Ist zwar nicht gerade die Zeit meines Geburtstags, aber dafür war es auch nicht das Jahr. Vielmehr war das Geschenk ja damals für meinen Tag gewesen.

Wir hatten seitdem ja mehrmals ausgemacht, dass wir uns zum Mittagessen treffen, aber anscheinend nicht konkret genug und meine Einladungen zu grillen oder ähnlichem wurden zwar beantwortet, aber dazu gekommen ist es dann trotzdem nie. Immer wieder einmal eine Antwort und, dass wir uns treffen werden.

Inzwischen hat sie mir sogar zu meinem Pianisten für die letzte CD verholfen, nachdem sie die Stücke nicht selbst spielen wollte. Zu der CD wollten wir uns dann ja auch mal treffen und ein bisschen plaudern, aber auch daraus wollte nicht so recht etwas werden. Ah ja, ein paar Male haben wir auch kurz telefoniert.

Und irgendwie vor ein paar Monaten habe ich also die letzte Antwortmail gelöscht, statt sie wieder zu beantworten.

Und dann plötzlich eben dieser Brief mit dem Geschenk, über das ich mich sehr gefreut habe – eine CD mit Geistlichen Gesängen, die ich auch singen könnte. Und dann der Hammer in dem Brief, sie sucht eine Neuorientierung, weil ihr Vater vor ungefähr einem Monat gestorben war – ufffffff.

Hatte ich am Anfang noch gedacht, mich einfach mit ihr zu treffen auf ein Essen oder ein Plauscherl, obwohl ich natürlich nicht weiß, ob wir das überhaupt zusammengebracht hätten, so war’s damit jetzt dahin und ich sprachlos wie nicht oft. Ich war dann froh, das nicht Face-to-Face erfahren zu haben und reagieren zu dürfen/müssen.

Und dann habe ich versucht ein elektronisches Antwortbrieferl zu verfassen, aber es wollte und wollte einfach nicht. Kaum war eine Version geschrieben, konnte ich sie auch schon – mangels Akzeptanz von mir – wieder verwerfen. Nach einigen Versuchen ist es mir dann aber doch geglückt und ich habe das Email geschickt. Ob es mir jedoch wirklich geglückt ist, kann ich nicht sagen, weil ich ja noch keine Reaktion erhalten habe.

Inzwischen habe ich die CD auch bereits gehört und bemerkt, dass es ziemlich traurige Lieder sind – irgendwie fast wie eine Vorahnung.

Dieser Beitrag wurde unter Brief, Geschenk, Post, Trauer veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Der richtige Ton

  1. Elisabeth schreibt:

    …lieber Rufus… ich kann dich und deine Reaktion gut verstehen… es ist nicht leicht, hier so zu reagieren, dass es auch gut genommen werden kann, gerade wenn ein geliebter Elternteil stirbt…
    Und dafür wünschst du dir das Wunder… nehme ich einmal an… Was für ein Wunder denn genau?
    Denn eine Neuorientierung kann ja äußerst positiv sein, und manchmal wirkt es sogar wie eine Befreiung… ehrlich gesagt…
    Ich wünsche deiner Bekannten, dass es ihr gelingen möge, etwas zu finden, was sie erfüllt und ihren Weg gut weiterzugehen und dabei glücklich zu sein…

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