Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

So stellt man sich den Einstieg in den Nachmittag vor, wenn es am Abend ein Konzert gibt: Du kommst nach Hause (wahrscheinlich solltest Du gar nicht im Büro sein davor, sondern Dich auf den Abend vorbereiten, aber das ist eine andere Geschichte), siehst die lieben Kinderlein ganz entspannt vor dem Grundstück herum laufen uuuuuund …….. sFrauli irrt mit einer Taschenlampe rund um’s Auto mit leicht genervtem Gesicht. Was war passiert? Das Töchterlein – das mit den schon recht umfassenden Sprachkenntnissen – klärt dich sofort auf „Die Mama hat ihren Führerschein verloren!“

Na geht ja gleich perfekt los. Ich also zum Auto Beifahrerseite (warum eigentlich?) Türe auf Sitz nach vorne nach hinten und den Boden im Auto abgesucht. Nichts. Dann auf die Fahrerseite (wäre eigentlich logisch gewesen, wenn sie ja gefahren ist), Türe auf, Sitz zurück, Fußmatte heben – und da ist er auch schon der kleiner Schlawiner. Pah – was soll mir heute auch schon passieren. Genau, was wird mir heute auch noch passieren.

Also, schnell etwas gegessen, davor 2 Minuten eingesungen (ob das reicht?), solange alle im Freien herum laufen. Und dann schon begonnen mit Duschen, Umziehen, Gurgeln (mein Ritual – mit eiskaltem Wasser, das löst jeden Schleim – soll ich einen Ratgeber für Sänger herausgeben?). Ah, youtuben vergessen – mein Alien mag das.

Wir waren dann alle fertig – etwas später als geplant (meine Damen waren natürlich rechtzeitig fertig, wie das bei Damen so ist, nur die Auswahl der Krawatte war sooo schwierig 🙂 ) und sind los gefahren. Habe mich unterwegs angenehm entspannt gefühlt, sFrauli sagt „Du bist wie aufgezogen“. Ich habe es mit meiner inneren Einstellung und „Kontaktaufnahme“ zum Kommenden erklärt 😉 .

Gut, in der Vorprobe war SIE dann nicht sehr begeistert – zuerst nicht, dass ich nicht eingesungen war und dann nicht mit meiner stimmlichen Einstellung. Nach mehreren Versuchen an einer etwas (haha, etwas ist gut) exponierten Stelle in „Eri tu“ aus Verdis Maskenball hat sie beschlossen wir (alle Beteiligten) machen zuerst die Ensemblestücke und ein paar andere Einzelstücke und dann kommen wir zu meinem kleinen Problem zurück.

15 Minuten vor Beginn war dann das alles vorbei, auch mein kleines Problem war nochmals durchgegangen – nicht ganz so, wie SIE sich das erhofft hatte, aber sie war zuversichtlich, ich war zuversichtlich – fein, kann nichts passieren.

Mein Kameramann – der, der youtube mit dem Event versorgen soll – war inzwischen auch eingetroffen und hat aufgebaut. Wir haben einen guten Platz für ihn und das Equipment gefunden – alles Roger auch hier, sozusagen. Und ich habe meinen Zoom H4 im Raum positioniert – mal sehen, was der liefern wird, falls ich entsprechend „liefere“.

Nun, einige Stücke vor mir ganz schön und als ich dran komme – selbstbewusster Auftritt. Ich bin der King. Habe die Einleitung zum Flohlied genau so vorgetragen, wie am Vortag geplant – es geht natürlich nicht um die deutsche Übersetzung, aber die Zuhörer sollen eine Idee davon bekommen, worum es denn geht und die Einleitung soll vom Charakter her zum Stück passen.

Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass ich eine ganz tolle Interpretation abgeliefert hatte – die Zuhörer haben jedenfalls sehr begeistert ausgesehen. Und SIE? – kam völlig wie von der Tarantel gestochen auf mich zu und fragte, was heute los ist? Und zur Ermunterung für den zweiten schwereren Teil ein motivierendes „Du musst retten, was noch zu retten ist“, hmpf. Nicht Tenor, sondern Bass (nicht einmal Bariton) sollte die Devise also sein.

Inzwischen hat sich mein Kameramann völlig verzweifelt in seinem Schicksal ergeben, dass die Kamera nicht funktioniert (obwohl er sie – meine Kamera eigentlich – am Wochenende ausprobiert hatte). Immerhin, jetzt weiß ich, dass das Dinge eine interne Batterie – Li-Ionen oder so – hat und das die regelmäßig aufgeladen gehört. Bislang war das kein Problem und ich habe nichts aufgeladen.

Nach der Pause kam ich somit total umgestellt auf die Bühne – war ziemlich gut – kleiner Kickser im Ton vor dem Hochton – und auch die wirklich hohen und „wichtigen“ Töne sehr gut erwischt.

Mit dem 2. Teil war SIE dann doch mehr zufrieden. Ich hab’s inzwischen angehört, also ganz kann ich IHR nicht folgen. Den Zuhörern hat es jedenfalls auch gefallen. Von IHR gab es für nächste Woche ein „Zurück an den Start“ – Mozart. Und ich? – „total begeistert“, ob der Aussichten.

Im Lokal danach war’s dann nicht besonders spannend außer für mein Töchterlein. Zuhause gab’s die Nachlese. sFrauli sagt: zu dunkel, der andere Tenor (ist eigentlich Bariton, wenn er Rodrigo und Belcore singt, aber sie hat’s so empfunden 😉 ) hat ihr sehr gut gefallen (stimmlich natürlich), aber das lag eher daran, dass der Renato nicht ihr Stück war. Belohnung gab’s daher dieses Mal für sFrauli natürlich keine.

Was jetzt aus meiner Weltkarriere wird? ……… mehr dazu nächste Woche.

Dieser Beitrag wurde unter Erfolg, Georgien, Gesang, Liederabend, Schreck, Sekunde abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

  1. kalesco schreibt:

    ah, spannend spannend! und kein video!? schade. könntest aber einen podcast einbauen! na? wie wärs? hm? HM? 😀

  2. the rufus schreibt:

    Ja, leider keine Video – nicht dieses Mal.

    Bin vermutlich schon zu alt für diese neumodischen Sachen, wie so ein Pottkarst (hm, und jetzt habe ich nicht einmal ein Bild vor Augen, das mir in PS entstehen möchte 😦 ) …

  3. lamiacucina schreibt:

    und ich hab schon die Sessel auditoriumsgerecht um den PC gruppiert !

  4. the rufus schreibt:

    Echt schade, dass die Kamera gestreikt hat – scheint, ich habe eine Zufluchtstätte für gestrandete Elektronik-Geräte …

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